Georg Ihm ist daran gewöhnt, dass von Zeit zu Zeit wildfremde Menschen durch seine Wohnung trampeln, sein Arbeitszimmer ganz genau begutachten oder ihre Nasen in sein Schlafzimmer stecken. Der aus Speyer stammende 34-jährige Deutsche ist hauptberuflich Architekt, designt nebenher mit seinem Label Produktmanufaktur aber auch noch Möbel und Einrichtungsgegenstände. Und weil er die Kreationen zu Hause allesamt selbst benutzt, hat er seine Wohnung einfach zu einem „Wohngeschäft“ umfunktioniert.
Besuchen darf man den sehr privaten Shop allerdings nur gegen Voranmeldung, dafür bekommt die Kundschaft dann mitunter gleich ein Abendessen mitserviert. Umgekehrt gibt es dann oft auch einen Gegenbesuch vom Architekten, der neben dem Möbeldesign auch noch Wohnberatung anbietet. Gestartet hat Ihm seine Produktmanufaktur vergangenes Jahr. Für seine Entwürfe sei ihm wichtig, dass die Käufer auch selbst Hand anlegen können, sagt der gelernte Tischler. So kann man zum Beispiel das Gestell für das „scorg“ getaufte Bettmodell mit verschiedenen Stoffen beziehen, und so gleichzeitig Aussehen und Form Mitbeeinflussen. Das Hochregal „bert“ basiert auf einem Stecksystem, das je nach Bedarf variierbare Rastergrößen zulässt. Und der Plexiglaskasten des Leuchtobjekts „deta“ lässt sich mit diversen Materialien befüllen und sorgt so für ganz unterschiedliche Lichtstimmungen. Die Designs lässt Ihm nur in Kleinserie produzieren, hergestellt und gefräst werden die Einzelteile im Waldviertel.
Ab August kann man für ein paar Monate einige Werke in einer Vitrine in der Bellariapassage bei de U3-Station Volkstheater bewundern. So spart sich Ihm möglicherweise das eine oder andere Möbelprivatissimum – auch wenn ihn die fremden Gäste angeblich überhaupt nicht stören. Vorausgesetzt, Sie melden sich vorher an. Permanent geöffnet ist so ein Wohngeschäft dann nämlich auch wider nicht.
Text aus dem Falter Nr.30/05 von Thomas Prlic
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